Die besten Freundinnen, die an den Weihnachtsmann glauben

von Aya Almusa und Anum Qureshi

„Endlich Weihnachtsferien!“, dachte Luisa und schaute aus dem Fenster. Aber wie so oft vor Weihnachten war draußen keine Spur von Schnee zu sehen, sondern nur ein grauer, trüber Nieselregen. Da klingelte das Telefon, es war ihre Freundin Hanna. „Na, wie geht’s? Sag‘ mal, hast du schon deine Mathe-Hausaufgaben gemacht?“ Typisch Hanna, sie war immer ein bisschen verpeilt. „Ohmann, Hanna! Wir haben doch Ferien! In drei Tagen ist Weihnachten!“

„Oh, stimmt“, kicherte Hanna. „Was machst du denn jetzt am Wochenende? Mir ist gerade richtig langweilig hier zuhause. Kann ich heute bei dir übernachten?“, fragte Luisa. „Nein, meine Mutter ist schon im Weihnachtsstress und total genervt. Aber ich könnte zu dir kommen!“, antwortete Hanna. Luisas Mutter hatte nichts dagegen und so kam Hanna abends zu Luisa nach Hause. Als sie gerade zusammen ein Video anschauten, fragte Hanna auf einmal unvermittelt: „Glaubst du eigentlich an den Weihnachtsmann?“ „Na, klar! Du nicht?“, sagte Luisa. Aber Hanna glaubte nicht an den Weihnachtsmann. Sie war sich ganz sicher, dass sich an Weihnachten ihr Vater verkleidete und die Geschenke brachte und dass der Weihnachtsmann eine Erfindung aus der Coca-Cola Werbung sei. An den Weihnachtsmann zu glauben, das sei kindisch! Das sagte sie so schnippisch, dass Luisa ein bisschen gekränkt war. Aber dann hatte sie eine Idee: „Ok, lass‘ uns nicht darüber streiten. Ich habe eine Idee: Wir versuchen heute Nacht den Weihnachtsmann zu fangen und dann können wir gucken, ob es mein Vater ist, oder jemand anderes.“ „Oha, das ist eine coole Idee. Das machen wir! Wir müssen aber einen guten Plan machen, wie wir ihn erwischen können!“ rief Hanna begeistert und schnappte sich einen Block und einen Kuli.

Doch gerade als die beiden Mädchen ihren Plan ausarbeiten wollten, kam Luisas kleine Schwester Lisa ins Zimmer gestürmt: „Was macht ihr da? Ich will auch mit spielen!“ Die beiden Freundinnen wechselten einen Blick: auf keinen Fall durfte die nervige kleine Schwester in den Plan eingeweiht werden. Sie spielten also eine Weile mit Lisa Mau-Mau. „Jetzt reicht es aber! Geh‘ wieder in dein eigenes Zimmer, Lisa! Du weißt doch, wenn du nicht brav bist, gibt’s keine Geschenke zu Weihnachten!“ drohte Luisa, denn immerhin war es schon fast Schlafensgehzeit und sie hatten noch keinen Plan gemacht.  Widerwillig verließ Lisa das Zimmer, doch kaum hatten die beiden sich wieder an den Plan gesetzt, kam Luisas Mutter rein. Sie brachte Getränke und Knabbersachen und wollte wissen: „Was macht ihr denn Schönes?“ „Ach, wie schauen noch einen ganz kurzen Film und dann gehen wir Schlafen!“ log Hanna.

Als sie endlich wieder alleine waren, fingen die Mädchen an zu überlegen. „Lass‘ uns die ganze Nacht wachbleiben und hinter dem Sofa verstecken im Wohnzimmer. Heute Nacht wird er kommen und unsere Wunschzettel abholen“, schlug Luisa vor. „Und um ihn anzulocken, stellen wir ihm ein Glas Milch und Cookies hin. Ich habe mal gehört, dass der Weihnachtsmann immer Hunger hat.“, sagte Hanna. Luisa kicherte: „Ach, ich dachte, du glaubst nicht an den Weihnachtsmann!“

Dann schrieben sie ihre Wunschzettel. Luisa wünschte sich Aquabeads und Hanna das iPhone 13. Sie hatten gerade die Zettel, das Glas Milch und ein paar Kekse auf der Fensterbank drapiert, als wieder Luisas Mutter rein kam: „Ihr seid ja doch noch wach! Jetzt geht ihr aber aufs Zimmer und macht das Licht aus!“ Murrend wünschten die Mädchen der Mutter Gute Nacht und taten so, als würden sie in ihr Zimmer gehen, nur um gleich wieder heimlich ins Wohnzimmer zu schleichen. Sie versteckten sich hinter dem Sofa, wo sie eine gute Sicht auf die Fensterbank hatten. Doch die Warterei wurde mit der Zeit anstrengend und nach kurzer Zeit waren beide eingeschlafen.

Kaum schliefen die Mädchen tief und fest, kam tatsächlich der Weihnachtsmann herein. Mit dickem Bauch schlurfte er zielstrebig auf die Fensterbank zu. Während er die Wunschzettel las, tunkte er die Kekse in die Milch und aß alles auf, bis kein Krümelchen mehr übrig war. Mit Stirnrunzeln las er Hannas Wunsch: „iPhone 13. Ich glaube es hackt!“ Trotzdem steckte er die Wunschzettel in seine rote Manteltasche. Und dann war er auch schon wieder verschwunden.

Am nächsten Morgen wachten Luisa und Hanna mit schlechter Laune und steifem Rücken hinter dem Sofa auf. Sie sahen gleich, dass die Kekse und die Milch weg waren und ärgerten sich, dass sie eingeschlafen waren und den Weihnachtsmann verpasst hatten. „So ein Mist!“ rief Luisa. „Dann müssen wir es noch mal versuchen! Wir fangen ihn, wenn er die Geschenke bringt!“

In der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember übernachtete Hanna wieder bei  Luisa und um dieses Mal wach zu bleiben, tranken sie heimlich eine Tasse schwarzen Kaffee. Der war bitter und ganz und gar ekelig, aber was tut man nicht alles, um den Weihnachtsmann zu treffen…

Wieder setzten sie sich in ihr Versteck hinter dem Sofa, sobald die Eltern und die Schwester schlafen gegangen waren. Der Kaffee hielt die beiden Mädchen hell wach und so merkten sie es gleich, als tatsächlich gegen 2 Uhr nachts der Weihnachtsmann ins Zimmer kam. Vor Schreck saßen die beiden einen Moment starr da: „Wo war dieser Mann so plötzlich hergekommen? Durch die Tür? Durchs Fenster?“, sie konnten es nicht sagen. Als sie sich wieder ein bisschen gefasst hatten, schauten sie sich an und sprangen plötzlich hinter dem Sofa hervor. Der Weihnachtsmann ließ vor Schreck alle Geschenke fallen. Einen kurzen Moment lang, war sich Luisa sicher, dass es doch ihr Vater sei. „Papa, wir haben dich erwischt!“ rief Luisa triumphierend und Hanna wollte ihm den falschen Bart vom Gesicht ziehen. „Aua, zieh‘ mir nicht die Haare aus!“ rief der Weihnachtsmann und Hanna antwortete erschrocken: „Oh, der Bart ist ja echt! Entschuldigen Sie bitte, wir dachten, dass es Sie gar nicht gibt. Wir dachten, Luisas Papa verkleidet sich und bringt die Geschenke.“ „Wir wollten Sie nicht erschrecken! Wir wollten unbedingt sehen, ob es Sie wirklich gibt.  Wir haben sogar schwarzen Kaffee getrunken, damit wir nicht einschlafen.“ pflichtete Luisa ihrer Freundin bei.

Der Weihnachtsmann schmunzelte: „Ach ihr lieben Kinder, ihr seid ja süß! Ihr habt die ganze Nacht gewartet. Ich wünsche euch frohe Weihnachten! Hier sind eure Geschenke, aber Hanna, du übertreibst echt. Nächstes Jahr kann dein Wunsch ein bisschen bescheidener sein und vor allem nicht so teuer! So, ich muss jetzt los, ich muss noch einmal um die ganze Welt fahren und allen die Geschenke bringen.“

„Vielen Dank, Herr Weihnachtsmann! Hier, nehmen Sie doch noch ein paar Kekse mit auf die Fahrt!“ rief Hanna und schob dem Weihnachtsmann eine große Keksdose hin. Vergnügt klemmte sich der Weihnachtsmann die Dose unter den Arm und verschwand genau so plötzlich, wie er auch gekommen war. „Siehst du“, sagte Luisa „es gibt ihn doch!“

Diese Geschichte wurde von Aya Almusa (11 Jahre) und Anum Qureshi (11 Jahre) im Rahmen der Kindertheatergruppe „Flümo“ von WishmobTheater e.V. für das aktuelle Theaterstück „Märchen aus 2021 Nächten“ geschrieben.